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03. Hiebe

Ich laufe dir hinterher.
Warte, rufe ich. Du gehst immer weiter. Ich erreiche dich atemlos, fasse nach deiner Hand. Du schüttelst mich ab. Erklär mir, was das alles soll, sagst du beim Gehen, was soll das alles bedeuten? Sag es mir. Ich schaue auf den Boden. Dann schaue ich fest in deine Richtung. Sie sind aber verstaubt, sage ich mit zusammengekniffen Augen. Ich sehe es von hier aus, selbst wenn du mich nicht ansiehst. Du bleibst stehen. Hörst du jetzt mal gefälligst auf damit, verflucht, brüllst du. Um uns ist es ganz still. Es ist so dunkel hier. Jetzt bist du es, der mich atemlos und wutentbrannt ansieht. Bist du völlig verrückt geworden, fragst du. Ich drehe mich zum Gehen. Der gefrorene Schnee knackt unter meinen Schritten. Bleib hier, wenn ich mit dir rede, rufst du. Aber ich höre nicht, denn jetzt gehe ich immer weiter. Ich gehe soweit, wie ich will. Und jetzt läufst plötzlich du hinter mir her. Hier, sage ich und deute auf meinen Oberkörper, hier triffst du mich. Ich verstehe dich nicht, sagst du. Ich weiß, will ich sagen, aber ich tue es nicht, ich schweige nur. Was willst du mir damit sagen, fragst du. Damit will ich sagen, dass du mir hier ganz besonders wehtust. Genau hier, ich deute auf mein Herz, hier treffen mich deine Tritte. Wortlos gehe ich weiter. Immer langsamer wirst du neben mir. Es tut mir leid, sagst du zu mir. Du weißt ja nicht einmal, was dir da grade Leid tut, sage ich. Du schweigst endlich wieder. Gut so, denn ich möchte am liebsten grade gar nichts mehr von dir hören. Du wendest deinen Kopf in meine Richtung. Nein, den Gefallen tue ich dir nicht, mein Lieber, ich werde dich jetzt ganz bestimmt nicht mehr ansehen. Verstohlen senkt sich dein Blick auf den Boden. Im Licht der Laternen sehe ich etwas auf deiner rechten Wange blitzen. Nein, das kann keine Träne sein. Ich hätte nie gedacht, dass du mir mal die Ehre zukommen lässt, in meiner Gegenwart zu heulen.
Hast du was im Auge, frage ich ohne Anteilnahme. Du versuchst erst unauffällig dir mit dem Handrücken über die Wangen zu streichen. Was ist denn los, frage ich genervt. Dann brechen dir die Beine weg, du brichst zusammen, hältst dir den Kopf und weinst. Soll ich einen Krankenwagen rufen, frage ich. Verschwinde endlich, schreist du. Ich nehme dich beim Wort.

27.1.07 20:59


02. Angst

Was machst du da? Was machst du da mit meinen Gedanken? Ich warne dich, vergiss nie, was ich dir sage. Denn wenn du es jemals vergessen solltest, dann hast du verloren. Dann hast du mich verloren. Wenn du vergisst, was ich dir alles anvertraue, wenn du auch nur ein Wort von alledem vergisst
Du schaust so an mir vorbei. Bist du wieder neu verliebt? Wer ist sie, kenne ich sie? Ich frage dich, obwohl ich alle Antworten kenne. Ich will es von dir wissen, sag es mir, verdammt noch mal.
Warum schaust du die da so an? Und warum werden deine Hände plötzlich so kalt? Warum rutschen deine Hände von meinem Körper? Wohin wollen nur deine Hände? Und warum ist dein Blick wieder so leer? Warum ist dein Blick so kalt? Warum bist du so kalt zu mir? Ich gebe dir jeden Tag ein Stück mehr meines Verstandes
Hey, sag mir, was hat sie an sich, dass du sie so anschaust? An wen erinnert dich dieses fremde Mädchen? An mich, so wie ich früher war? Aber so bin ich nicht mehr, leider. Nein, nein Oder ist sie dir gar nicht fremd? Sag, woher kennst du die da?... Oder willst du mich wieder zurück? Willst du mich wie ich früher war? Das geht nicht mehr, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, ich kann nicht ändern was geschehen ist, und das kannst du genauso wenig wie ich. Schämst du dich nicht dafür? Tut dir das weh, mich so verändert zu sehen? Willst du, dass ich wieder die Alte werden? Ich sehe dir an, dass du das willst. Gib es zu. Gib es doch endlich zu. Ich kann aber nie, nie wieder so sein wie vorher, das musst du verstehen. Das weißt du doch?! Egal was du auch anstellst, es ändert nichts an der Situation?
Wollen wir nicht tanzen, fragst du. Nein, sage ich, WIR wollen nicht tanzen. Deine Augen sind so grau wie der Himmel. Sie sind so grau wie der Dreck auf den Straßen. Sie sind so grau wie Staub.
Ich frage dich, ob ich deine Augen für dich putzen soll. Wie bitte, fragst du. Sie sind verstaubt, antworte ich. Du schaust mich so komisch an. Hör jetzt auf damit, sagst du. Sie sind verstaubt, sage ich. Du bleibst stumm und starrst die andere wieder an. Hör auf, die Leute schauen schon, sagst du dann. Nein, denke ich, die andere schaut schon. Sie sind verstaubt, wiederhole ich ein drittes Mal. Du funkelst mich böse an. Halte den Mund, sonst
, beginnst du. Was sonst, frage ich. Du stehst auf, nimmst wortlos deinen Mantel und gehst. Sie sind doch so verstaubt, flüstere ich leise.

26.1.07 21:29


01. Liebe

Wie Theater der Träume schreibe ich jetzt wieder an einem Zyklus. Die Chronik des Vergessens wird insgesamt 12 Teile umfassen. Alles in allem eigentlich eine zusammenhängende Kurzgeschichte, die jeden Tag um einen Teil reicher werden wird.

Wenn du mich ansehen würdest, dann wüsstest du genau, dass du schon längst gewonnen hast Aber du siehst mich nicht an. Ich will in deine Augen tauchen, mein Lieber. Ich kann es nicht aushalten, dass du mich ignorierst. Du siehst doch, was mit mir passiert, was mit mir passiert ist. Ich sauge an meinen Lippen bis sie blutleer sind Ich sauge an meinem Handgelenk bis es genauso blutunterlaufen ist wie meine Augen. Siehst du, wie trüb meine Augen plötzlich geworden sind? Warum fragst du mich nicht danach? Bemerkst du es nicht? Dir fällt erst jetzt auf, dass ich plötzlich drei Ohrringe pro Ohr trage.
Und der Leberfleck an meinem Hals, der schon ewig sich an diesem Ort befindet. Du fragst mich, was das ist. Ich sage, es ist ein Leberfleck. Wie kommt der denn dahin, fragst du. Ich sage, er ist schon seit einer Ewigkeit dort
Du hast ihn nur noch nie wirklich bemerkt, weil du mich noch nie wirklich ganz betrachtet hast, aber das sage ich dir nicht. Das denke ich nur. Ich wünschte, du könntest doch meine Gedanken lesen, und du würdest jetzt genau wissen, was du jetzt, genau jetzt machen sollst Doch stattdessen sitzt du immer noch mir gegenüber, trinkst dein Bier und starrst auf den neu entdeckten Leberfleck an meinem Hals. Ich dachte, ich wäre dir so wichtig. Wie kann man sich nur so in einem Menschen täuschen. Und ich erwarte auch noch von dir, dass du genau weißt, was du wann tun sollst, dass du genau weißt, was du sagen sollst, dass du genau weißt, was du wann fragen sollst, dass du genau weißt, dass du fragen sollst. Dass du genau weißt, was ich fühle. Dass du genau weißt, was ich denke. Dass du genau weißt, was ich dir nicht sage. Dass du mich so ansiehst, als wüsstest du all das
Du solltest es wissen, wenn du noch so weitermachen möchtest. Warum weißt du denn das alles nicht?
Weißt du, was ich grade denke, wenn ich dich ansehe? Ich dachte, du würdest es stets in meinen Augen lesen können.
Und wenn du mich liebst, siehst du da wirklich mir in die Augen? Oder siehst du vielmehr in die Augen von jemandem anderen? Siehst du nicht viel eher in die Augen einer Unbekannten? Siehst du nicht viel eher in die Augen eines Mädchens, dass dir völlig fremd ist? Oder denkst du, du kennst mich wirklich? Ist es das? Denkst du, ich bin berechenbar? Oder siehst du gar nicht in meine Augen? Siehst du durch meine Augen in meinen Kopf? Was siehst du denn da? Siehst du, was meine Gedanken machen? Gefällt es dir, was meine Gedanken, da so treiben? Gefällt dir, was du da siehst? Oder siehst du gar nicht in meine Augen? Siehst du doch in die Augen einer Unbekannten?
Ich habe dir viel zu viel von mir gegeben.

26.1.07 21:28


Leben lassen

Du wirfst dir die Nacht um die Schultern
wie einen Mantel,
drehst dich um
und gehst -
mich nicht beachtend -
deinen Weg zurück.

18.1.07 17:00


Bewusstlosigkeit

Die Einsicht kommt so spät… Ich weiß doch genau, was du von alledem hältst. Doch bitte sag es mir nicht, ich könnte es nicht ertragen…

All das ist nun schon so lange her, und wenn ich dich heute in meinen Armen halte, erscheint mir alles so weit weg. Du hast mal gesagt, ich würde später über all das lachen, was ich damals getan und gesagt und gefühlt habe. Nun, das tue ich aber nicht.
Ich lache weder über das, was ich getan habe, denn ich tat es aus Instinkt, aus einem Bauchgefühl heraus, ohne dass ich auch nur einmal meinen Verstand benutzt habe. Und ich denke, dass dies richtig war. Etwas, das richtig war, grade weil ich nicht meinen Verstand benutzt habe.
Ich lache auch nicht über das, was ich gesagt oder gefühlt habe, denn ich habe alles ehrlich gemeint, ich habe dich nie belogen, ich habe fast immer gesagt, was ich gefühlt habe und ich denke, man sollte nie über Gefühle lachen…
Dass daraus so etwas Großes entstanden ist, haben weder du noch ich vorher sehen können. Es ist schön, das Gefühl zu haben, dass du immer da bist, ich fühle mich endlich nicht mehr seelisch allein gelassen.
Warum habe ich damals diesen großen Fehler begangen, und dir nicht alles gesagt, was ich für dich empfinde? Dass da außer seelischer Verbundenheit mehr ist, viel mehr, wahnsinnig viel mehr.
Ich war einfach zu feige, es dir zu sagen. Und genau daran denke ich, wenn wir uns wie gute Freunde begrüßen, zusammen trinken gehen. Und daran denke ich, wenn ich euch zusammen sehe, und wenn du deinen Kopf auf ihren Schoß legst. Und daran denke ich, wenn du dich an sie drückst, und wenn du sie küsst. Und daran werde ich ewig denken. Denn ich könnte jetzt genauso an ihrer Stelle sein, und das Einzige, was all dies verhindert hat, war eine gewaltige Lüge und meine elendige Feigheit.

Bitte, keine Worte mehr! Nur noch Stille, bis zum Ende...

5.1.07 20:35


Schakal

Streifend durch die tödliche Hitze einer kranken Seele – ein lebensmüder Schakal unter der roten Sonne meines Seelenabgrunds, der sich aufgetan hat, um ihn zu verschlingen. In der Ferne ein Flackern, ein unruhiger Lichtschein. Dort lodert das Feuer des Neides, das die letzten Stücke einer alten Liebe verbrennt. Ja, verbrenne sie, und lass sie niemals zurückkehren… Lichterloh brannte auch dein Haar, nachdem du zu mir gekommen warst. Ich hatte deinen Körper in Brand gesteckt, nachdem du mir gesagt hattest, dass du und er… Ja, ich weiß schon noch, was ich tue. Du sollst ihn nicht bekommen. Lichterloh brannten deine Haare, weißt du, wie du gestunken hast? Das hätte dein zartes Näschen kaum ausgehalten, wenn es noch im Stande gewesen wäre, die Luft… Wie schnell dein Haar abgebrannt war, bis auf die scharlachrote Kopfhaut, wo es nur noch in winzigen Klümpchen vorhanden war, wenn nicht sogar als Asche auf deiner Bluse. Und wie du geschrieen hast…! Und dann rieselte die Asche langsam in meinen Wüstensand, der erst sie und dann schließlich auch dich auffraß. Du warst so plötzlich verschwunden, wie du gekommen warst. Und nun gräbt dieser elendige Schakal nach dir, immer und immer weiter und er hört nicht auf, bis er endlich die letzten Stücke deines hässlichen Körpers freigelegt hat. Die Sandstürme machen ihm gar nichts aus, er gräbt unaufhörlich immer weiter nach dir. Kein Betteln, kein Locken bringt ihn von diesem Platz fort. Und dann kommt dein Körper wieder vollständig zum Vorschein. Doch anstatt dich mit Haut und Haaren zu verschlingen, riecht er an deinem Körper. Der Geruch widert ihn sichtlich an und er wendet sich langsam ab… Doch eine Nacht verbringt er noch neben deinem toten Körper, hält eine Totenwache und heult um dich, die halbe Nacht. Aber schon am nächsten Morgen ist er wieder fort. Dein Körper liegt immer noch da, im Wüstensand, und einige Aasgeier haben dir schon die Augen ausgehackt und deine süchtigen Lippen gefressen. Ich habe keine Lust mehr, dich weiter zu verstecken. Ich überlasse dich den aasgierigen Tieren, die ununterbrochen Löcher in dich schlagen, und ich überlege, ob ich dir die Leiden des Prometheus hätte schenken sollen, dem bei lebendigem Leib immer wieder die Leber abgefressen wurde…

Der Schakal schlägt sich tapfer durch die Hitze, er erreicht meine Tore. Doch all sein Winseln, all sein Flehen bringen ihn nicht weiter. Er sieht so mitleidserregend aus, wenn er nicht weiß, was er machen soll. Ich strecke meine Hand nach seiner mit Narben übersäten Haut aus, denn er hat kein Fell, und er beißt zu. Die Wunde ist nicht tief, aber schmerzhaft, jedoch erträglich. Ich ziehe die Hand nicht zurück, sie strebt nach dem gleichen Ziel wie zuvor. Und diesmal erreicht sie es auch, wenn auch von reichlichen Drohgebärden empfangen. Mein Blut läuft über die größte Narbe des Tieres und es ist auf einmal still, blickt fast zahm aus den wild glühenden Augen. Der Schakal wendet sich meiner frischen Wunde zu, leckt sie, heilt sie. Doch die Wunde, die er in mein Herz gerissen hat, mit dir zusammen, die wird er nicht heilen können. Die wird immer weiter bluten, still und unbemerkt. Und genauso still werde ich an ihr verenden, ohne dass er auch nur von ihr und ihrem Ausmaß weiß…

3.1.07 17:10


Point Blank

Sicher, es ist nicht leicht…
Warum lasse ich mir das Alles nur gefallen? Egal, wo man auch ist, wo man auch hinkommt… Überall vertrieben. Von der eigenen Sippschaft vertrieben. Vertrieben.

Verachtung und Vertreibung, die eigene Familie gegen mich selbst. Tränen? Welche Tränen denn? Es gibt keine Tränen mehr, die dieser Schande wert wären. Es gibt keine Tränen mehr. Keine Tränen für nichts. Alles ausgerottet. Alles tot. Alles tot in mir. Gefühle? Sag mir, was Gefühle sind. Ich denke, ich habe das fast schon vergessen. Ich spüre nichts mehr. Keinen Hass. Liebe sowieso nicht mehr. Liebe war etwas, was sich schon am Anfang meines Weges in der Unendlichkeit des Nutzlosen verlor. Andere Gefühle mögen wohl irgendwo dazwischen liegen… Ich weiß es nicht, ich kenne sie nicht mehr. Schon so lange atme ich in der Luft, die mir nicht mehr gegönnt, nicht mehr gelassen wird… Was soll ich also noch hier? Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel… Die Welt ist nur ein elendiges Spiel. Ein elendiges, ewiges Auf und Ab. Ein Hoffen, ein Beten, ein armseliger Gedanke. Ein Sterben, ein Verenden, Vollendung der Armseligkeit.

Wie edel doch früher dein Gesicht war... Jetzt bist du nicht mehr als ein Abbild. Ein Abbild deiner selbst, aber die Anderen merken es ja zum Glück nicht. Nur ich scheine es zu bemerken, wie hässlich du geworden bist. Deine Anmut ist verschwunden, sag, was hast du mit ihr gemacht? Dein Blick ist nur noch stumpf. Stumpf und leer. Sag, wem hast du deine Blicke geschenkt? Deine edle Seele, die stets aufrichtig, ehrlich und treu war… Du hast deine Seele auf der Strecke gelassen. Und schau mich jetzt gefälligst nicht so an, mit deinem stumpfen, leeren Blick, als wüsstest du nicht, wovon ich rede!
Du hässliches Ding, du Geschöpf… Was willst du nun noch von mir, mit deiner verkümmerten Seele? Ich verabscheue dich. Nein, ich hasse dich nicht, ich verabscheu dich. Mehr noch als mich selbst…

3.1.07 17:09


Regalia

Mein Herz ist durchsichtig geworden. Nur eine dünne Schicht überzieht den dunklen Klumpen, in mir. Wie Pergamentpapier ist sie fast durchsichtig und färbt die Adern, die wie wildes Gestrüpp mein Herz umschlingen und es erdrosseln, in ein seltsam milchiges Blau. Der große, unförmige Klumpen in mir. Die Schläge sind nicht mehr als ein Zucken, die Lähmung des Herzens ist schon so leicht zu erkennen… Diese dünne Schicht aus Pergament, sie ist doch nur ein winzig kleiner Schutz gegen diese große, beschissene Welt. Vielleicht ist es auch eine Hülle aus Eis? Doch mein Herz ist zu schwach, um sie von Innen heraus zu sprengen. Die Wärme meines Herzens kann das Eis nicht mehr zum Schmelzen bringen. Komm, nimm einen Hammer und zertrümmere die immer dicker werdende Eisschicht um mein Herz, damit sich die Eissplitter in mein Herz bohren können, oder willst du es langsam erfrieren sehen? Mein Herz ist nicht mehr als ein großer Klumpen aus Eiter.

Ich kenne dein Leid, ich habe es doch schon so oft gesehen. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich kann immer noch sehen, dass du weinst… Sag, wie kann ich dich trösten?

Ich habe mich eingeschlossen, tief in deinem Herzen. In deinem großen, dunklen Herzen. Ich mag dein großes, dunkles Herz, es ist so gut zu mir. Dein Herz ist überhaupt viel schöner als meines. Dein schönes Herz, es ist so schwer… Doch es schlägt so entschlossen… Es ist so schön, bei dir zu sein, in deinem Herzen. Es ist so schön dunkel, doch an einigen Stellen ist es so schwarz, leer und sehr kalt, dass ich Angst habe, ich könnte erfrieren.
Denn ein Teil deines Herzens ist schon tot…
Bitte, vertreibe mich nicht aus diesem Paradies, lass mich in deinem Herzen, für immer. Ich werde all die Narben in ihm und an ihm zählen, die tiefen, noch blutenden Wunden von dort aus betrachten. Ich werde dich nach ihrer Herkunft fragen. Und ich werde jede deiner Narben lieben, so wie ich dich liebe. Ich werde dein Herz schützen, damit es niemand mehr verletzen kann, deine große, feste, undurchdringbare Schutzhülle will ich unterstützen. Aber bitte lass mich hier, in deinem großen, dunklen, schwarzen, kalten Herz. Denn ich brauche es. Es zeigt mir jeden Tag, was es heißt zu begehren, unendlich zu begehren, so dass es fast schon schmerzt. Es ist ein angenehmer, ewiger Schmerz, diese Begierde… Ich will in deinem dunklen, schweren Herzen bleiben, bis du mich wieder hervorholst, in einsamen Stunden. Ich habe dir mein Vertrauen geschenkt, nie hast du es enttäuscht. Nie hast du mich enttäuscht. Du hast mir wehgetan, mehr als einmal, aber danach hast du mich immer wieder so angesehen wie vorher und das hat alles so erträglich gemacht für mich, dass ich für ewig bei dir weilen werde, wenn du das willst. Für ewig warte ich hier auf dich. In deiner Seele. In deinem dunklen, kalten Herz.

 

28.12.06 21:40


Kajal

Ich wasche dir endlich das Blut aus den Augenhöhlen. All diese blutigen Tränen, die dir die Wangen verklebten, nachdem dein Körper keine klaren Tränen mehr übrig hatte für all deine Schmerzen. Ich löse die Krusten, die dein Gesicht bedecken. Jemanden zu fragen, warum ausgerechnet du all das Leid… Doch wen sollte ich fragen? … Die Vergangenheit beschäftigt mich viel zu sehr. Ich konzentriere mich auf dich, auf dich und den Schmerz. Dunkle Wolken, die dich verfolgten. Sie brachten dir die Pest. Wenn du nicht kämpfst, hast du verloren. Wenn du es versuchst, kannst du verlieren. Wähle dein Schicksal selbstständig. Und laufe ins offene Messer… Ich kann dich nicht alleine lassen. Die Bindung zu dir ist viel zu stark. Du siehst seltsam aus, mit deinen starren Augen. Deine Verbitterung gibst du mir zu spüren. Du kannst sprechen, mit deinen Augen. Du sagst mir alles, was ich hören will. Du hältst mich wach, all die folgenden Nächte. Ich wache über dich, auch wenn du es nicht glaubst…
22.12.06 21:10


Singular Droid

Still schweigend schaut man zu. Ein Festmahl wie dieses nicht zu stören. Gehorsam löffeln sie alle die dicke, rote Blutsuppe und grinsen sich an. Mein Steinherz zerschellt auf ihrem Fußboden, auf ihren Tischen tanzt erneut ein Funkeln…

Ich sehe, wie du weinst. Ich kann dich nicht trösten, ich weiß nicht wie…

Dieser Körper, der nur ein Käfig für meine Seele ist. Sie einsperrt, bis sie langsam verblasst. Ich habe es endlich erkannt…

Sie erheben sich, stumm und schleppenden Schritts, doch keiner von ihnen wird jemals den Ausgang erreichen, zu dem alles strebt. Denn sie sind nicht gut… Sie sind einfach nicht gut genug, egal was sie auch anstellen, keiner von ihnen wird jemals diesen Raum verlassen. Den Raum des toten Tanzes, den Raum, in dem sich alle Wege kreuzen. Sie werden stets weiter ihre Suppe aus Herzblut löffeln. Ignorierend, was sie dir damit antun. Große, wulstige Fleischwunden ziehen sich schon über dein schwarzes, totes Herz. Seit einiger Zeit haben sie begonnen, die letzten Tropfen Blut aus ihm zu pressen. Tropfen für Tropfen fällt dein Leben in ihre Schalen…

Ich sehe, wie du weinst. Ich weiß nicht, wie ich dich trösten kann. Aber ich weiß, dass ich es will...

Ich rette dein sterbendes, vernarbtes Herz. Ich trage es. Dorthin, wo es nie wieder dieses Leid seiner vergangenen Jahre empfinden muss. Ich schütze dein vernarbtes, geliebtes Herz. Denn niemand soll je in die Versuchung geraten, es weiter zu missbrauchen. Ich sterbe mit deinem geliebten, blutenden Herz. Denn was du bist, bin ich…

22.12.06 21:09


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